Ein ♥ für Blogs

Kai Müller, Macher des Stylespions, ruft zur Aktion auf.

Seien wir doch mal ehrlich, die deutschsprachige Bloglandschaft steckt seit einiger Zeit in einer Depression. Im besten Falle wird zwar beobachtet, was die Nachbarn so machen, aber ein wirkliches miteinander findet meist nur in Ausnahmefällen statt. Die gute alte Blogroll ist aus den meisten Layouts verschwunden oder leidet an Altersschwäche. Wir kochen vor allem unser eigenes Süppchen.

(Kai, Ein ♥ für Blogs)

Depression?

Die Diagnostizierung der Depression kann ich zwar nicht nachvollziehen, Blogs werden einfach erwachsen und ihre Vorteile, bzw. ihr Wert überzeugt immer mehr Leute. Vereinzelt scheinen sich manche Alt-Blogger in Twitter zu flüchten, dabei gibt es dafür keinen Grund. Trotz der Professionalisierung von Blogs und deren Abarten (Blogs ohne Kommentare oder Trackbacks sind keine Blogs) gibt es nach wie vor echte Sahnestücke im Netz und die Blogger arbeiten auch fleissig am Inhalt. Durch die Masse wird es einfach nur immer schwerer, per Zufall über gute Blogs zu stolpern.

Ein ♥ für Blogs

Genau da schliesst Kais Aktion an:

Am kommenden Dienstag, den 21.04, veröffentlichen alle, die darauf Lust haben, einen Beitrag mit dem Titel “Ein ♥ für Blogs” in dem sie ihre lesenswerten deutschsprachige Blogs vorstellen – das darf dann auch mal über den eigenen Blogtellerrand hinausgehen.

Das passt, da mach’ ich mit :) Hier also ein kurzes Plädoyer und eine Liste meiner Geheimtipps.

Plädoyer für die Blogroll

Über die Wichtigkeit der Blogroll habe ich ja bereits geschrieben. Kinder, seid so freundlich und verlinkt das, was ihr lest. So freut sich euer Besucher bei den seltenen Surf & Explore-Sessions über interessante Blogs.

Grillmaster 2000

Der Grillmaster schreibt selten, aber unregelmäßig. Und jeder seiner Beiträge ist ein Angriff auf meine Lachmuskeln. Mein absolutes Unwort: “Fremdschämen”. Aber manchmal tut man das bei den Artikeln des Grillmasters.

Peter Kröner

Peters Blog haben wahrscheinlich so einige im Feedreader. Peter hat eine sehr angenehme Frequenz und seine Beiträge wirken immer gut vorbereitet und sehr informativ.

Managing Tech

Jan Miczaika ist Gründer und Geschäftsführer von Hitflip. Er schreibt über den alltäglichen Wahnsinn in der IT mit verteilten Infrastrukturen, Strategien in der Entwicklung und andere Insights. Sehr lesenswert.

Stil mit {stil}

Ulrike Häßler schreibt über CSS, HTML und Webstandards. Fein zu lesen. Übersichtliche Frequenz.

PHP Hacker

Der etwas martialische Titel führt in die Irre: Cem schreibt eigentlich eine Menge über PHP und Entwicklung und holt dabei auch gerne mal aus, um Zusammenhänge zu erklären. Das empfinde ich persönlich immer als Mehrwert in einem Blog. Manchmal finde ich, wäre ein Code-Beispiel bei seinen Postings angebracht.

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Auf Wiedersehen, XHTML – Willkommen zurück, HTML

Die Debatte begann nach dem deutlichen Abflachen der Browserwars (hört sich an wie Klonkriege, oder?). XHTML war der heisse Scheiss und alle wollten was davon. Strikt, mit viel XML-(Pseudo)syntax, vielleicht nicht der besten Browserunterstützung, aber neu. Und man konnte so tolle Seiten damit bauen. Mit HTML ging das zwar auch, aber XHTML war die Zukunft!Robert Nyman machte zwischenzeitlich mal einen kurzen Ausbruchsversuch, bekam dafür auch viele, viele, kleine Jehova-Steinchen an den Kopf. Doch mittlerweile ist der Hype ziemlich abgeklungen und man hört derweil schon eine Menge von HTML5. Jeremy Keith macht UXLondon in HTML5. Ein grossartiges Gebilde, das mehr ist als ein Showcase. Gerade heute ging FullFrontal ebenfalls mit HTML5-Doctype online.Auch ich habe meine letzten Projekte und Applikationen wieder in HTML 4.01 geschrieben. Gibt’s auch in strict. Man kann hier hin- und herargumentieren, aber: Dave Shea bringt es so ziemlich auf den Punkt: Leseempfehlung für “Switched“.Ich persönlich glaube, dass die einmalige Sogwirkung von vor 5-7 Jahren mit dem Thema Webstandards, XHTML und CSS nicht noch einmal zu wiederholen ist. Ich freue mich auf HTML5 und auf eine Weiterentwicklung, aber die unglaubliche Faszination die durch die Mischung von der ersten Verbreitung von Blogs, “echten” Online-Bekanntschaften, dem Zen Garden und den vielen, vielen anderen digitalen Wünderchen noch gesteigert wurde, ist nur schwerlich noch einmal zu entfachen. Ich denke, das durch die letzten Jahre, durch den Firefox, durch offene Systeme und einer Menge Blogger, die ihr Wissen bereitwillig weitergeben, aus dem Nischendasein von Webstandards ein Produkt für die Masse geworden ist – und das ist gut so. Ob nun mit HTML oder XHTML.Die Revolution von heute heisst dann wohl eher Twitter ;)

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Kleine Tweetie-for-Mac Goodies

Seit ein paar Stunden erst ist der neue Twitter-Client Tweetie erhältlich (kostenlos mit Werbung, ~10 EUR ohne). Nachdem ich am Donnerstag die Demo gesehen hatte, wollte ich den kleinen, intuitiven Zwitscherer doch mal ausprobieren. Wie in der Demo funktioniert die Applikation tatsächlich nur in einer Spalte. Bei Zugriffen auf Reply-Ansichten oder einzelne Konversationen scrollt der Bildschirm nach rechts oder unten. Da ich kein Twitter-Poweruser bin (zu viel Ablenkung), ist das genau das richtige für mich.

Screenshot: Tweetie für Mac

Integriert ist auch eine Twitter-Suche (die zur Laufzeit auch mal schnell in ein neues Fenster ausgelagert werden kann).Kurz nach Release gab es auch schon das erste Lob und die ersten Kritiken. Grundsätzlich bin ich aber persönlich schon sehr zufrieden mit dieser intuitiven Variante.

Shortcuts

Das Ding läuft zwar nur auf dem Mac, aber ein grosser Bonus ist sicherlich die Steuerung über Tastaturkürzel, die das Arbeiten mit dem Client schnell und locker macht. Hier ein paar Abkürzungen:

  • Refresh/Aktualisieren: CMD+SHIFT+R
  • Neuer Tweet: CMD+N
  • Ältere/Jüngere Tweets (durch die Nachrichten navigieren): Arrow-Down/Arrow-Up
  • Ein Fenster nach unten/oben: Space/SHIFT-Space
  • Einzelnen Tweet öffnen (zeigt Details zur Konversation): Double-click on tweet
  • Zurück zur vorher eingestellten Liste: ESC
  • Durch Listen Timeline, Mentions, Messages, Search schalten: CMD+1, CMD+2, CMD+3, CMD+4
  • Direkte Nachricht (vorher Empfänger auswählen): CMD+D
  • Direkte Nachricht (leer): CMD+SHIFT+N
  • Antworten: CMD+R
  • Retweet: ALT+CMD+R

Manuela Hoffmann verweist in einem ihrer Tweets übrigens noch schnell auf den bald erscheinenen Twitter-Client Beak. Hier gibt es einen Screenshot-Vergleich (via @jruckman). Alles in allem sind nun jede Menge Clients im Umlauf und die Liste dürfte nicht kürzer werden :) Da sollte für jeden was dabei sein.

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FirePHP als Debugger für PHP und Ajax einsetzen

Jeder Entwickler benötigt einen Debugger. Abhängig von Programmiersprache und Entwicklungsumgebung gibt es unzählige Möglichkeiten, die Ausführung der entwickelten Applikation zu überwachen. Entwickler von Webapplikationen haben dabei oft das Problem, dass sie eine ganzheitliche Lösung brauchen, um über mehrere Ebenen zu debuggen: Das Backend (meist eine Mischung aus Datenbank und Skriptsprache), ggf. im Backend auch noch Schnittstellen zu Drittsystemen und zusätzlich das Frontend, dabei den statischen und dynamischen Anteil – zumeist JavaScript. Bei der Verwendung von asynchronen HTTP-Anfragen zurück ins Backend wird es noch komplizierter: Die Antwort auf den Request hat im Grunde keinen Platz für Log- oder Fehlermeldungen. Klar, man kann sich die Meldungen in der HTML-Seite ausgeben lassen oder man parst den Rückgabewert noch einmal durch das JavaScript. Oder man lässt den AJAX-Prozessor ins Fehlerlog des Webservers schreiben und überwacht dieses parallel auf der Kommandozeile per tail.Alle diese Methoden bedeuten aber vermehrten Aufwand bei der Erzeugung (und später auch wieder bei der Entfernung) der Meldungen. Insbesondere steigt beim Einsatz verschiedener Mechanismen die Gefahr, dass die Debugger irgendwie ihren Weg in den Produktivcode finden, weil man nicht aufpasst.

Debugging PHP im Browser

Für die weit verbreitete Skriptsprache PHP gibt es auch anspruchsvollere Lösungen: Der Zend Debugger wird oft verwendet, findet auch in PDT Einsatz. Das Aptana Studio (ebenfalls ein Eclipse-Derivat) hat ein eigenes Firefox-Addon, welches sich jedoch leider ziemlich mit dem unverzichtbaren Firebug beisst. Allerdings besteht bei allen Helferlein das Problem, über die oben angesprochenen Ebenen hinweg zu überwachen. Christoph Dorn hat sich deshalb hingesetzt und eine feine Lösung gebaut: FirePHP. FirePHP ist eine weitere Firefox-Extension, die ein zuvor installiertes Firebug benötigt und dann im Firebug-Stil die Meldungen des im Backend vorhandenen Debuggers ausgibt.

Was brauche ich?

Die Liste der notwendigen Tools ist kurz, die Installation trivial:

Die weiteren Beispiele beziehen sich der Einfachheit halber auf die standalone-Version. Im Grunde reichen zwei Zeilen Code, um FirePHP ans Laufen zu bringen:

<?php
require dirname(__FILE__) . '/extlib/firephp-0.2.1/fb.php';
FB::log(array('Peter','Paul','Mary'), 'Names');
?>

Hat man die beiden Addons Firebug und FirePHP im Mozilla Firefox installiert und das Tracking für Konsole und Netzwerk eingeschaltet, bietet sich in der Firebug-Konsole ein wunderschönes Bild:

Screenshot: FirePHP in der Firebug-Konsole

Magie! Doch das ist noch nicht alles. Neben unterschiedlichen Nachrichtenarten (log, info, warn, error) gibt es unzählige weitere Einsatzmöglichkeiten. Unter anderem fängt FirePHP auch Exceptions und lässt sich über ein Singleton auch als Objekt verwenden, um Traces zu bauen oder tabellarisch Inhalte anzuzeigen.

Debugging AJAX-Handler per FirePHP

Der Clou an der Sache: FirePHP portiert die Nachrichten über den HTTP-Header (gut, irgendwie müssen sie ja zum Browser kommen). In JSON-Syntax wird die entsprechende Meldung übermittelt. Das bedeutet, dass auch nachgelagerte Anfragen (AJAX) und deren Algoritmen brav in die Konsole schreiben. Ich muss mich also – gerade bei kleinen Projekten – nicht verbiegen, um die sonst so stillen Listener zum Reden zu bringen.

Screenshot: JSON-Syntax im HTTP-Header

So kann ich das console-Objekt vom Firebug munter mit dem FB::-Debugger mischen und mir aus allen Teilen der Applikation Meldungen sichtbar machen.

Mischung Firebug und FirePHP

Vorsicht beim Deployment!

Die Verwendung ist natürlich auch nicht ungefährlich. Man will unbedingt verhindern, dass derartige Meldungen und die Debug-Anweisungen irgendwo in einem Produktiv-System landen (das ist wohl bei jedem Debugger so). Aus diesem Grund benötigt man einen strengen Mechanismus, der auf Unaufmerksamkeit böse reagiert. Ein vernünftiger pre-commit hook im Versionierungssystem bietet sich an. Wer seine Webapplikation z. B. per Ant bauen lässt, kann in seiner build.xml eine entsprechende Sicherheitsabfrage unterbringen. Für die Überprüfung bietet sich z. B. der phpCodeSniffer an, der sich wiederum im pre-commit hook einsetzen lässt. Dazu gibt es eine großartige Zusammenfassung von Ronny Ristau.

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Manchmal ist weniger nicht mehr sondern noch weniger

Ganz im Sinne von 37signals, zenhabits, GTD und all’ der anderen Blogs und Massnahmen, die sich mit der Strukturierung und Reduzierung des Information Overloads befassen, bin ich gleich über drei winzige Applikationen gestolpert. NowDoThis, Next und What Shall I Do Now sind Online-Todolisten, die mir immer nur die jeweils nächste Aufgabe anzeigen. Schön gestaltet, einfach zu bedienen. Toll.Das sind Spielereien nach meinem Geschmack.

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Ant in Eclipse PDT (Ganymede) ans Laufen bringen

Derzeit teste ich Aptana. Ein schönes IDE, welches auf der Eclipse-Plattform aufbaut. Dennoch habe ich mir einen neuen PDT-Build spendiert, 2+ ist ja schliesslich schon länger veröffentlicht.Kurzer Schreck: Ant ist weg! In den Hilfedateien und Wikis noch schön beschrieben, ist Ant offensichtlich aus der Standard-PDT-Version herausgeflogen. Glücklicherweise war ich nicht der einzige, der das m. E. beste Deployment-Werkzeug vermisst. Und Dank Nick Boldt gibt es auch eine Lösung:Unter Help > Software Updates > Available Software wählt man die Eclipse Project Updates. Dort unter Uncategorized findet man das Plugin Development Environment. Installieren.Da ist Ant wieder!

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Zu Besuch im Tonstudio

Gestern wagte die Familie einen Ausflug nach Troisdorf, ins Blubox-Tonstudio, in der mein Bruder soeben sein Solo-Album aufnimmt. Guido ist echt ein cooler Typ, der sich ruckzuck Zugang zu den Herzen der Kids verschaffte, in dem er aus ein paar Toms schnell ein Schlagzeug zusammenbastelte.

Phillip und Lina am Schlagzeug

Hat sehr viel Spass gemacht, zumal mein Bruder tatsächlich das Risiko einging, mich die zweite Strophe und die Backings auf Better change your ways einsingen zu lassen. Better change ist ein ziemlich alter Song, einer der ersten, den wir zusammen geschrieben hatten.Ohne Übung und ohne Eier sticht mein Stimmchen nicht gerade hinter seinem Organ hervor, aber trotzdem: Vielen, vielen Dank dafür.

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Ein kurzer Abend in Köln

Da fahre ich gestern Abend mit der gesammelten Familie kurz nach Köln und besuche meine Brüder, da schlägt mich mein 5-jähriger Sohn im Bowling, ich verliere meinen PRO-Status und Wii-Fit attestiert mir massives Übergewicht und schätzt mein Alter auf 48 (ungefähr genau ca. exakt 10 Jahre älter, als ich bin).Mein bestes Mädchen hat übrigens Idealgewicht und wird exakt auf ihr Alter geschätzt….Anmerkung: Drei Punkte sind in Blogs seit je her das Zeichen für absolute Sprachlosigkeit.

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Wie schreibe ich ein Changelog, oder: Was man vom World of Warcraft-Changelog lernen kann

Die Dokumentation von Commits und die Kommentare in einem Changelog sind für die meisten Entwickler mehr Pflicht als Kür. Im Grunde ist man froh, den Bug oder das Feature endlich implementiert zu haben. Für eine sinnvolle Dokumentation bleibt keine Zeit, die nächsten 100 Tickets warten schon. Ausserdem: Wer liest schon Changelogs und Commits? Das tun ja nur Entwickler, demzufolge kann man auch das Entwicklerjargon verwenden: “fix: the api method had a typo in l 316″.Noch schneller: Fixes sind meist an Tickets gebunden. Also einfach die Ticketnummer rein, wer das liest, kann sich den Rest ja aus dem Bugtracker holen: “Fix: #12738″.

Die Konsequenz: Keiner liest Changelogs

Henne oder Ei: Weil Changelogs nicht gelesen werden, sind Kommentare so schlecht und werden so vernachlässigt? Oder: Weil Kommentare so schlecht sind, werden Changelogs nicht gelesen? Eines ist unumstritten: Wer Applikationen einsetzt und eventuell betreut, der muss die Changelogs lesen. Auch beim heutzutage gängigen Einsatz von Frameworks, ist das Durcharbeiten von Changelogs vor dem Update in der eigenen Applikation notwendig. Das kann – abhängig von der Kommentierfreude der Entwickler – eine lange, lange Angelegenheit werden. Man springt von Changelog zu Bugtracker zu Showcase, schreibt Testroutinen, um ggf. die eine oder andere Änderung zu verifizieren. Man scannt das soziale Netzwerk, ob evtl. diverse Auffälligkeiten zu ermitteln sind. Ab damit ins Testsystem, Integration prüfen. Deployment. Live. Puh!

Die World of Warcraft-Patchnotes

World of Warcraft ist ein Online-Spiel mit einer ungeheuren Menge Benutzern und einer Batterie Drittunternehmen, Redaktionen und Portale, die mittlerweile fest mit dem Erfolg des Spieles verknüpft sind. Es existieren gefühlte 10 Trillionen Plugins, 21 Trillionen Blogs und Portale mit Itemlisten, Guides, Spieledaten, usw. usw. Ein Patch von World of Warcraft ist immer ein Grossereignis, hat doch jeder zu prüfen, ob seine Einstellungen, seine Charakterplanung, ja, seine ganze Spielweise nach dem Patch noch so sein wird wie vorher.

Screenshot: World of Warcraft Patchnotes

Um gewisse Unstimmigkeiten zu vermeiden und um insgesamt den Horden von Spielern und Nutzniessern eine Unterstützung zu liefern, die a) wenig Fragen offen lässt und dadurch b) das Frage-Aufkommen auch vermutlich recht gering zu halten, werden die meist sehr, sehr umfangreichen Patchnotes in einer besonderen Tonalität geschrieben. Nach 4 Jahren Spiel und unzähligen Patches vermute ich hinter diesen Patchnotes die folgenden Regeln:

  • Ein Patchnote-Kommentar ist immer mindestens ein ganzer Satz
  • Ein Patchnote-Kommentar ist immer positiv, nicht negativ formuliert (Beispiel folgt)
  • Ein Patchnote-Kommentar beschreibt immer den Zustand nach dem Patch, niemals den Zustand davor
  • Ein Patchnote-Kommentar beschreibt immer den Gewinn eines Patches, nie den Verlust (Beispiel folgt)
  • Patchnote-Kommentare werden sinnhaft gruppiert
  • Ein Patchnote-Kommentar beschreibt immer den Effekt auf den Prozess, nicht das technische Detail (Beispiel folgt)
  • Ein Patchnote-Kommentar folgt im Normalfall der Twitter-Regel: 140 Zeichen sollten für die Beschreibung des Wesentlichen ausreichen

Durch diese paar Regeln und ein wenig mehr Elan und Kreativität bei der Erzeugung des Patch-Kommentars wird es den Lesern einfach gemacht, sich auf die Änderungen einzustellen. Noch mehr, durch die Tonalität neigen die meisten Leser bereits zu gewissen Verhaltensweisen, der psychologische Effekt ist enorm:

  • Durch die positive Formulierung und der Beschreibung des augenscheinlichen Gewinns, befasst sich der Betroffene weniger mit der Trauer über den Verlust einer Funktion oder ärgert sich über die Änderungen, die ihm Arbeit verursachen, stattdessen werden die Gedanken auf die neuen Möglichkeiten gerichtet, die nach einem Update oder Patch zur Verfügung stehen.
  • Der zusammenhängende Satz verhindert einen direkte Suche in sekundäre Informationsquellen und lässt den Leser in den Patchnote-Listen verbleiben. Der zusammenhängende Satz vermittelt auch ein wenig Ganzheitlichkeit: Wer zusammenhängende Sätze schreibt, wird sich sicherlich viele Gedanken um das Thema gemacht haben.

Beispiele: Positiv und negativ

Die folgenden Beispiele sind frei erfunden. Der positive Kommentar verhindert die Betroffenheit des Lesers, mit einer verbuggten Applikation zu arbeiten. Anstelle in einer Liste von 200 Kommentaren ca. 190 x zu lesen, welcher Bug vorhanden war und jetzt gefixt ist (negativ), wird beschrieben, welches Feature nun wie gewünscht funktioniert (positiv). Beispiel: In einer frühen Version wurde durch einen Fehler der Zeitstempel der letzten Bearbeitung eines Artikels nicht aktualisiert.

Negativ: Fix: Fehler in methode Article::update(), ts_lastupdate wurde nicht geschrieben. Klappt jetzt. 

Positiv: Der Zeitstempel der Bearbeitung eines Artikels wird nun korrekt gespeichert und angezeigt.

Beispiele: Gewinn und Verlust

Gerade für Entwickler ist es schmerzhaft, wenn beim Einsatz eines Frameworks nach einem Major Release ein bestimmtes Feature nicht mehr existiert oder anders funktioniert als vorher. Abhängig von der Qualität des Codes kann das schon mal mit einer Menge Nacharbeit verbunden sein, um die Applikation auf die Änderungen umzustellen. Wenn Patchnotes aber nicht nur den Verlust vermitteln, sondern auch die neuen Features beschreiben, die nun zur Verfügung stehen, ist der Entwickler manchmal in der Lage, dem neuen Zustand sogar etwas Gutes abzugewinnen, bzw. sein Konzept auf Basis der neuen Möglichkeiten sinnvoll zu überdenken. Beispiel: Aus Gründen der Performance muss eine einzelne Funktion in zwei neue aufgespaltet werden.

Verlust: Funktion xy ersetzt durch Funktion ab und ac. Xy darf nicht mehr verwendet werden. 

Gewinn: Mit den Funktionen ab und ac wird nun ein erheblicher Performancegewinn erzielt. Gleichzeitig können die einzelnen Funktionen für ihre jeweiligen Einsatzzwecke besser genutzt werden (s. Dokumentation ab und ac). Die Funktion xy ist veraltet und wird im nächsten Major Release nicht mehr vorhanden sein.

Beispiel: Effekt des Patches, nicht technisches Detail

Screenshot Patchnotes Smarty

Die Beschreibung eines technischen Details lenkt vom Effekt einer Veränderung ab. Der Leser muss sich zunächst mit den Eigenschaften der Technik auseinandersetzen, anstelle den Effekt nachvollziehen zu können. Beispiel: Aus Performancegründen und einigen Mängel wird eine Funktion zur Generierung einer Liste durch eine andere ersetzt.

Negativ: Fix: Die Funktion implode() verursacht Fehler. Ersetzt durch foreach-Schleife. 

Positiv: Es ist nun auch die Erzeugung großer Listen ohne Probleme möglich. Dazu wurde implode() durch foreach ersetzt.

Anmerkung: Vereinzelt kommt man um technische Details nicht herum. So werden auch Entwickler, die sich für die einzelnen Vorgehensweisen interessieren, nicht vernachlässigt.

Fazit, noch einige Kommentare und Beispiele

Mit ein paar kleinen Regeln können Changelogs und Patchnotes also durchaus ein interessanter und kurzweiliger Lesestoff werden. Mit ausführlichen Kommentaren ist auch die Grundlage für Diskussionen in Foren und Blogs durchweg besser. Ich arbeite gerade an meiner Gewohnheit, Patchnotes und Commits in Zukunft unter Berücksichtigung der o. g. Regeln zu schreiben. In ein paar Wochen werde ich die Betroffenen ansprechen und sie zu den Änderungen befragen. Ich bin sehr gespannt, was ich als Antwort bekomme.Obwohl ich die PHP-Template-Engine Smarty ganz gerne mag, sind die Changelogs oft ein abschreckendes Beispiel. Ein Positiv-Beispiel ist dagegen das World of Warcraft-Changelog. Es mag für einige Leser inhaltlich befremdlich sein, wenn man aber die ersten paar Kommentare liest, wird klar, welche Regeln hier zugrunde liegen und wie mein Artikel gemeint ist. Abhängig von der gepatchten Applikation ist es auch manchmal notwendig, parallel zu den Changelogs neue Features in einer besonderen Übersicht zu beschreiben, so wie es das jQuery-Team zumindest bei den Major Releases macht.Wie schreibt ihr eure Commits und Patchnotes?

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Basecamphq.com mit neuem Anstrich

Die Webseite der Online-App Basecamp hat einen neuen Anstrich und reiht sich damit ein in die wachsende Liste fein gemachter Business-Webseiten.

Macht immer wieder Spass, was Neues von den 37signals-Jungs anzuschauen. Nebenbei verzichten sie im Übrigen in den verschiedenen Preismodellen für Basecamp auf die freie Variante. Es gibt nur noch eine 30-Tage-Versuchsversion. Bei 2 Mio.+ Benutzern nur verständlich. (Ich weiss nicht, ob das schon länger so ist – es fällt mir nur gerade auf)

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