Das Aus für die Ensemble Studios
Nach dem Release des schon in der Entwicklung befindlichen “Halo Wars” werden die Ensemble Studios für immer ihre Pforten schliessen. Die Ensemble Studios zeichneten sich verantwortlich für die Spieleserie Age of Empires dessen AddOns und Fortsetzungen sich durch die letzten 10 Jahre der Spieleschichte geschlagen haben. Die Age-Teile waren immer die jeweils erwachsene Variante zu Blizzards Warcraft-Serie. In den RealTime-Strategy-Teilen in Blizzards Warcraft kämpfte man gegen comicartige, doppelköpfige Oger, die lustige Sprüche abliessen, wenn man zu oft klickte. In den Age-Spielen sah alles echt und ernst aus, die Modelle waren detailverliebt, die Karten und Strategien sehr ausgeklügelt und die kurzweilige Warcraft-Partie verblasste gegen die epischen Schlachten in AOE I und AOE II.

Vor allem der zweite Teil (das betitelte Age of Kings) wird mir immer in guter Erinnerung bleiben und sicherlich auch nicht schnell von meiner Festplatte verschwinden. Es ist unter den ersten 10 Spielen in meiner /played-Hitliste (sprich: das sind Spiele, in denen ich die meiste Zeit verbracht habe). Dieser zweite Teil gilt für mich auch immer noch als die Referenz im RTS-Genre. Kein Spiel hatte (inkl. AddOn Age of Conquerors) eine derartige Balance vorzuweisen, die das Timing und den Puls der Partien so unnachahmlich bestimmte. AOE II bildete eine einzigartige Mischung aus Komplexität und Geschwindigkeit – und gab doch genug Optionen durch die unterschiedlichen Völker und ihre Stärken und Schwächen, das dem Spieler nicht langweilig werden konnte. Das perfekt verpixelte Stein, Schere, Papier.
Der dritte Teil der Serie war mir zu komplex, er versuchte so vieles zu sein und war doch nichts ganzes. Die Heldenklassen aus Warcraft III wurden kopiert und auch das Creepen wurde ins Spiel eingebracht. Ausserdem war AOE III ein Windows-XP-only Spiel – und das zu einer Zeit, in der ich noch nicht bereit war, für ein Spiel auf den W2K-Nachfolger umzusteigen. Dennoch schlug dieser Teil auch in der eSports-Szene ein und schliesslich habe auch ich ihn mir geholt, aber er hat mich nie so fesseln können wie seinerzeit der zweite Teil Age of Kings.
Bruce Shelley
Mit den Studios verband ich auch immer den Namen Bruce Shelley. Bruce arbeitete schon an Sid Meier’s Civilization mit und konnte schliesslich seine ganze Erfahrung in Age of Empires einfliessen lassen. Nach dem ersten Teil war sein Einfluss auf die weitere Entwicklung der Serie eher beratend, er gilt aber auch heute zu den einflussreichsten Personen in der Spieleindustrie und -geschichte. Bruce verstand es nahezu perfekt, die Stimme der Studios zu bilden. Für mich ist er definitiv der Joel Spolsky der Spieleindustrie.
Gekauft von Microsoft
Nach dem sagenhaften Erfolg des ersten Teils der Age-Serie wurden die Studios von Microsoft gekauft, deren Entwicklerbude sie bis zum Ende blieben. Schon am 22. September letzten Jahres schrieb Bruce Shelley:
We thought we were among the best studios in the world, and that may be true, but we don’t fit in the future plans of MGS as an internal studio so we’re out.
Ende Januar wird’s dann soweit sein. Ein grosses Kapitel Computerspielgeschichte findet seinen Abschluss. Es ist nicht das erste Kapitel, das geschlossen wird – es wird auch nicht das letzte sein. Aber dieses hier berührt mich schon ein bisschen.
Es dauert immer noch 21 Sekunden, um im Dark Age (AOE II) einen Bauern zu erschaffen.
dave
25.1.2009
Das wusste ich noch gar nicht… Tatsächlich sehr, sehr schade! Man was haben wir früher AoE I und II gespielt. Auch bei der ein oder anderen LAN Session war ja vor allem Age of Kings immer ein großer Renner.
Für mich definitiv die beste Strategiespiel Reihe die ich jemals gespielt habe – auch noch vor Starcraft und Warcraft..
Ensemble Studios R.I.P.
dave