Warum der Umstieg auf HTML 5 jetzt eine gute Idee ist

Gestern wurde der Firefox in der Version 3.5 veröffentlicht und zum Download freigegeben. Die neue Variante bietet interessante und sinnvolle Erweiterungen zur Unterstützung für benutzbarere Webseiten sowohl für Anbieter als auch für Benutzer. Letzte Woche schon publizierte Opera die Information zur zukünftigen Version 10 des beliebten Browsers, welche auch ein beachtenswertes Konzept enthält, welches den Aufenthalt im Internet bereichern könnte.Über HTML5 wurde in der letzten Zeit ebenfalls extrem viel geschrieben. So viel, dass sich das W3C als offizielle Organisation zur Aussage genötigt sah, dass HTML5 derzeit noch kein Standard sei. In der Tat, wenn man sich die derzeitigen Massnahmen der grossen Browserhersteller anschaut, so wird es noch dauern, bis HTML5 in notwendiger Breite unterstützt wird – und darauf kommt es letztlich an. Trotzdem entstehen allerortens Dialoge zum Thema HTML5, sogar erste professionelle Webseiten entstehen auf der durchaus vielversprechenden HTML5-Basis. Hacks und Workarounds, um Webseiten abwärtskompatibel zu gestalten, sind zu genüge zu finden.

Warum jetzt auf HTML5 umsteigen?

Um diesen Aufruf zu erklären, muss ich gute 6 Jahre zurückblicken. Im Oktober des Jahres 2003 hiess der Firefox noch Firebird und war in einer frühen Version erhältlich. Flächendeckend war der Internet Explorer verfügbar und die Kommunikation zwischen Standard-Organisation (W3C), Browserherstellern und Webdesignern möchte ich einmal als dünn bezeichnen. Nielsens Alertbox war die Resource zum Thema Usability. Dennoch war es die Zeit in der Menschen wie Dan Cederholm von simplebits.com und Jeffrey Zeldman mit seinem Daily Report und viele andere durch die Verwendung von Weblogs Dialoge über Möglichkeiten und Notwendigkeiten transparent machten. Der CSSZenGarden entstand. Auf einmal bewegten sich Webseiten und deren Umsetzung über das oft (und leider immer noch) fälschlicherweise alleinstehend verwendete Merkmal Design hinaus. Die Trennung von Semantik und Layout wurde state-of-the-art – und zwar in erster Linie durch die Verwendung und damit der Erkennung der Vorteile in privaten und persönlichen Webseiten, vor allem Weblogs. Auf einmal traf man auf mehr und mehr Webdesigner, die ihren Schwerpunkt auf die Darstellungsebene ergänzten mit weiteren wichtigen Gesichtspunkten, unter der Haube, für den Benutzer auf den ersten Blick nicht sichtbar, im Code.Diese Bewegung, die offene Kommunikation und die auf der Hand liegenden Vorteile, die an vielen Stellen dargestellt wurden, können durchaus als ein wichtiger Motivator angesehen werden, der vor allem auch Browserhersteller beeinflusste und insgesamt zu einer stabileren Grundlage von Webseiten und Technologien beitrug. Eine perfekte Lösung, die insbesondere bei grösseren Webseiten Usability, Barrierefreiheit, Corporate Design und Identity und Kundenanforderungen zusammenbringt, wurde (und wird) nie erreicht. Webdesign ist auch heute immer eine Annäherungswissenschaft, die – je nach Kompromissbereitschaft des Umsetzenden – mehr oder weniger Absicht und Umsetzung miteinander vereint. Welche “grosse” Webseite verwendet nicht auch heute sogenannte Hacks, Conditional Comments oder andere Helferlein, um die Darstellung in den Browsern aller Hersteller zu vereinheitlichen?

Der Browserhersteller in Zugzwang

Diese Entwicklung hatte eines erreicht: Die Hersteller mussten die Notwendigkeit einsehen, auf derartige Bestrebungen Rücksicht zu nehmen. Und obwohl die Implementierung der vom W3C empfohlenen Standards in den Browsern selbst heute noch zu wünschen übrig lässt, näherten sich Webdesigner (durch die massenhafte Verwendung der Webstandards) und Browserhersteller (durch Nachbesserung an den Render-Engines) immer weiter an. Man kann sagen, die Motivation, die ein Hersteller von sich aus zur korrekten Implementierung trieb, wurde durch die Webseiten-Ersteller und Designer ergänzt.Heute, 6 Jahre später, ist man bei der Erstellung von Webseiten nach wie vor auf ein exaktes Wissen um die unterschiedlichen Render-Modelle der Browser angewiesen. Dies verlangt vom Webdesigner eine grosse autodidaktische Bereitschaft und mag vielleicht der Grund sein, warum Schulungsprogramme und Lehrpläne in Universitäten zu diesem Thema noch so absolut unterschiedlich ausfallen. Denn es gibt auch immer noch keinen XHTML-Standard und auch noch keinen HTML4-Standard. Ein Standard wäre grundlegend eine absolut identische Implementierung in jedem Browser dieser Welt. Das werden wir sicherlich auf lange Zeit noch nicht sehen.

Die HTML5-Implementierung ist entweder nicht da oder nicht perfekt – na und?

Wer sich also derzeit dem Umstieg auf HTML5 noch verschliesst und auf eine stabilere und flächendeckendere Umsetzung durch die Browserhersteller wartet, lässt sich zurückfallen in die (Stein-)Zeit von Tabellenlayouts und wird – wahrscheinlich – ziemlich lange warten. HTML5 wird kommen und bietet im Entwurf schon jetzt ein Funktionsportfolio, das uns befähigt, noch bessere, benutzbarere und barriereärmere Webseiten und -Applikationen zu bauen, als wir es jemals konnten. Wir müssen uns nur bewusst machen, dass wir nur durch den Einsatz von HTML5 in kleinen, persönlichen, aber auch grösseren, professionellen Projekten die Antriebskraft für die Hersteller liefern, HTML5 (und auch mal CSS3) früher oder später ausnahmslos zu unterstützen.Machen wir uns nichts vor. Auch wenn dieser Zeitpunkt irgendwann kommen wird, wird es Unterschiede in den Browsern geben. Man wird mit abgefahrenen Hacks auch weiterhin für einheitliche Erscheinungsbilder von Web-Oberflächen sorgen müssen. Man wird weiterhin für bestimmte Einsatzzwecke auf proprietäre Lösungen wie Flash zurückgreifen. Man wird weiterhin aufmerksam Unmengen Entwicklerblogs lesen müssen, um auf Stand zu bleiben und man wird sich auch weiterhin aktiv an der Diskussion zur Erkennung und Behebung bzw. Vermeidung von Schwachstellen in den Umsetzungen in den Browsern beteiligen müssen.Aber es gibt keinen Grund, nicht mit dem Einsatz von HTML5 zu beginnen. Im Gegenteil, jedes Projekt, was neu jetzt noch auf Basis von HTML4 oder XHTML online geht, ist ein Grund weniger für die Browserhersteller, sich zu bewegen.

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