Quo vadis, W3C?

Ich bin ja auch einer von denen, die versuchen, jeden davon zu überzeugen, dass der Einsatz und die Berücksichtigung von Webstandards die einzigen probaten Mittel sind, um heutzutage Webseiten, Webapplikationen und Web-wasauchimmer zu erstellen. Doch das Eintauchen in die Materie und das tägliche Hantieren mit Element- und Attributsdefinitionen trübt den Blick für das Ganze. Ab und an muß man aufstehen und eine neue Perspektive wählen.So geschehen gerade mit mir durch den Beitrag “An angry fix” von Jeffrey Zeldman. Jeffrey gründet seinen Post auf den Abschiedsbrief von Björn Höhrmann, der das W3C-QA Team verläßt. Jeffrey schlußfolgert recht drastisch:

Two things could happen. Either the W3C will make a course correction, or the standards-based design community will look elsewhere.

Beim Lesen der Beiträge und verschiedener Mails aus dem Mailinglisten-Archiv fällt mir gerade wieder auf, dass auch Webstandards nicht einfach “da sind”, sondern von einer Gruppe Leute zusammengestellt werden, die derselben Dynamik und den Stärken und Schwächen unterliegen, wie es Projekte derartiger Komplexität üblicherweise tun. Ich halte nach wie vor viel von dieser Organisation, klugerweise halten die Mitglieder ihre Arbeit über Blogs und Mailinglisten nahe an ihrer Zielgruppe: Der Öffentlichkeit. So kann man Diskurse und Status der einzelnen Aktivitäten leicht nachvollziehen (man braucht nur Zeit, hmpf). Dennoch läßt mich dieser (zugegebenermaßen winzigkleine) Einblick in das Projekt rätseln. Was verkaufe ich eigenlich den ganzen Tag?

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5 Antworten auf Quo vadis, W3C?

  1. molily sagt:

    Einmal böse gefragt: Was ist von einer Organisation zu halten, deren wichtigste Arbeitsgruppe (HTML) nichts auf die Kette kriegt? Deren Arbeit so schlecht ist, dass sich ein Alternativkonsortium gegründet hat, um HTML jenseits der XHTML- 2- und XForms-Schiene weiterzuführen? Und wie lange wird schon an CSS 2.1 und 3 gefeilt? Wie lange liegen einige DOM-Spezifikationen schon brach? Tut sich da überhaupt noch etwas in Richtung Innovation?Faktisch wird das Web maßgeblich jenseits des W3Cs weiterentwickelt – und das ist gar nicht mal so schlecht, denn jenseits der bürokratischen Mühlen funktioniert die Erarbeitung von Quasi-Standards offenbar besser. Freie Assoziation und so.Ist die Arbeit des W3Cs wirklich nahe an der Zielgruppe?»We and our practical concerns never drove the organization«, ist für mich der wichtigste Satz von Zeldman. Wird die Öffentlichkeit wirklich einbezogen? Zeldman: »It remains a closed, a one-way system. Like old-fashioned pre-cable TV advertising. Not like the web.«Ich verfolge das Engagement von Björn auf den W3C-Listen schon seit Jahren. Er prangerte immer wieder grobe Defizite sachlich und kompetent an und biss ständig auf Granit, als wolle man ihn als Kritiker mundtot machen, indem man ihn einfach ignoriert oder mit blöden Antworten auf seine Einreichungen abspeist. Ich habe mich immer gefragt, aus welcher Motivation Björn noch gegen die W3C-Windmühlen kämpft. Jetzt hat man ihn zumindest teilweise erfolgreich ausgebremst.

  2. Oliver sagt:

    Danke, molily, für Deinen Einblick. Klar, es war jedem bereits schon seit langem aufgefallen, dass der Prozess der Spezifikationserstellung offenbar nur sehr schleppend vorankam. Ohne Wissen um die Abläufe konnte man das aber nicht wirklich nachvollziehen.Ich weiss selbst noch nicht recht, welche Meinung ich mir nun bilden soll. Mein Hintergrundwissen ist noch zu gering. Für mich steht fest, dass ein etabliertes Konsortium (mit ensprechendem Rückhalt aus der Wirtschaft) am handlungsfähigsten wäre. Standards neben dem Standard bringen mittelfristig eher einige Probleme, die den Produktivitätsfluss im Netz doch ein wenig stören könnten.Zugegeben, mehr Produktivität als in den letzten drei Jahren, in denen das W3C zumindest für den Betrachter so gut wie überhaupt keinen Fortschritt machte, kann es eigentlich nicht geben.Jedenfalls verfolge ich nun doch etwas fokussierter und gespannter die Entwicklung :)

  3. Der Wahnsinn hat Methode, könnte man fast sagen. Vom Chaos in den HTML- und CSS-Arbeitsgrupen höre ich immer nur vereinzelt und hinter vorgehaltener Hand, aber aus anderen Arbeitsgruppen weiß ich es aus eigener Erfahrung, dass dort mit Kritikern genau so umgegangen wird, wenn diese nicht in das Konzept der “Corporate Sponsors” mit den dicken Spesenkonten passen. Die WAI ist da nur ein Beispiel…

  4. karl sagt:

    Björn is not leaving W3C QA Team, he decided to stop developing the validators because the unresponsiveness of HTML WG.

  5. So, Karl, you are trying to say that Björn, in a post titled “Leaving W3C QA Dev”, in which he says, among other things: “I now have to discontinue my participation in this area” and “which will explain why I am leaving now”, did not announce that he is, quote again, “Leaving W3C QA Dev”?

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