Ich bin mit Computerspielen aufgewachsen. Neben den unzähligen anderen Arbeiten, die mit einem Computer erledigt werden konnten, waren es immer die Spiele, die mich für Stunden, Tage, Wochen an den Bildschirm fesselten. Angeregt durch einen Artikel auf binarybonsai.com, habe ich mir nun Masters of Doom besorgt. Das Buch beschreibt den Werdegang der beiden (ehemaligen) Köpfe hinter id Software, John Carmack und John Romero.Die ersten 30 Seiten lassen vermuten, daß es sich um eine recht typisch amerikanisch glorifizierende Biographie zweier herausragender Charaktere der Spielewelt handelt. Aber dem ist nicht so. Schonungslos beschreibt David Kushner Höhen als auch Tiefen der beiden Super-Egos, die auf tragische Art die unglaublichen Erfolge und Entwicklungen Ihres Lebens selbst zerfleischen.Ich muß zugeben, daß mir nicht viel über die Herren Romero und Carmack bekannt war. Sicher, ich habe Commander Keen gespielt, war drauf und dran mir die Vollversion zu bestellen. Ich habe Doom gespielt. Nicht nur einmal ;) Ich habe Wolfenstein 3D gespielt und eigentlich alle Titel, die im Buch genannt werden. Dennoch war es in Deutschland (insbesondere vor der massiven Verbreitung des Internets) nicht einfach, hinter die Kulissen zu schauen. Genau das liefert das Buch: einen Blick hinter die Kulissen. Mir war nicht bewußt, welch unglaublichen Einfluß die beiden Johns auf die Entwicklung der Spieleindustrie genommen hatten, angefangen von der technischen Bereitstellung fantastischer Spiele-Engines bis zu Strategien beim Vertrieb und der Vermarktung von Spielen.Aber nach den schnellen ersten Erfolgen folgen die Schattenseiten. Wer das Buch liest, dem wird spätestens nach 50 Seiten klar, daß sich die beiden egoistischen Charaktere irgendwann überwerfen mußten. Die Besessenheit, die Selbstaufgabe und die rücksichtslose Verfolgung eigener Interessen und Visionen, die so viele Erfolge möglich machten, führen schließlich zur Zerstörung des sich anbahnenden Imperiums. Das Buch wirft ein anderes Licht auf Doom III, auf die heutige Spieleindustrie, auf Communities, Clans, eSports und alles was auch nur entfernt mit Computerspielen zu tun hat.Das Buch ist jedem zu empfehlen, nicht nur Leuten, die schonmal ein Pad, einen Joystick oder eine Maus in der Hand hatten und die in halbdunklen Zimmern mit aufgedrehtem Kopfhörern auf Jagd auf Cyber Demons gegangen sind.
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